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    12. September 2026 3 Min.

    Backups, oder warum jeder Datenträger stirbt

    DatensicherungHardwareNotfall

    Für viele Datenträger gibt es Angaben zur Belastbarkeit und erwarteten Haltbarkeit. Wann ein einzelnes Laufwerk ausfällt, lässt sich daraus jedoch nicht vorhersagen. Was das für Backups bedeutet und warum eine Sicherung auch zurückgespielt werden muss.

    Auch ein passend ausgewählter Datenträger kann ausfallen. Wichtige Daten brauchen deshalb mehrere unabhängige Kopien und einen geprüften Weg zurück in den Betrieb. Zur Planung gehören außerdem versehentlich gelöschte Dateien, fehlerhafte Änderungen und Angriffe auf die Systeme.

    Was Datenträger tatsächlich aushalten

    Herstellerangaben helfen dabei, ein Laufwerk passend zur Nutzung auszuwählen. Dazu gehören etwa die spezifizierte Gesamtschreibmenge einer SSD oder die zulässige jährliche Datenmenge einer Festplatte. Sie beschreiben die Belastung, für die ein Modell unter bestimmten Bedingungen ausgelegt ist. Statistische Zuverlässigkeitswerte wie die MTBF beziehen sich dagegen auf viele Laufwerke. Sie sagen nicht voraus, wie lange ein einzelnes Exemplar hält. Seagate erläutert diesen Unterschied zwischen Zuverlässigkeitsstatistik und individueller Lebensdauer.

    Festplatten (HDDs) können durch Defekte an der Mechanik, der Elektronik oder den magnetischen Speicheroberflächen ausfallen. Eine feste Altersgrenze für den Ausfall gibt es nicht. Betriebsbedingungen und Zustand gehören deshalb zur Beurteilung. Die Selbstdiagnose SMART kann Warnzeichen liefern, erkennt aber nicht jeden bevorstehenden Defekt. Bei externen Festplatten kommen Stöße und Stürze als zusätzliche Risiken hinzu. Im Betrieb kann dabei ein Schreib- und Lesekopf die magnetisch beschichtete Oberfläche einer rotierenden Datenscheibe beschädigen. Externe HDDs sollten deshalb stabil stehen und beim Transport ausgeschaltet sein.

    Backblaze Drive StatsHDD-Ausfälle im laufenden Betrieb

    Gemessene jährliche Ausfallraten der ausgewerteten Festplatten in den Rechenzentren von Backblaze.

    1,36 %Ausfallrate im Jahr 2025

    344.196HDDs aus 30 Modellen in der Jahresauswertung 2025

    Jährliche Ausfallrate (AFR), nach Kalenderjahr

    2022
    1,37 %
    2023
    1,70 %
    2024
    1,57 %
    2025
    1,36 %

    AFR bedeutet: auf ein Jahr umgerechnete Ausfallrate. Sie wird aus den beobachteten Ausfällen und den summierten Betriebstagen der Laufwerke berechnet.

    Ausfälle einplanen, Wiederherstellung testen.

    Die Daten zeigen: HDD-Ausfälle gehören auch im professionellen Betrieb dazu. Sichern Sie wichtige Daten auf unabhängigen Datenträgern und prüfen Sie, ob sie sich vollständig wiederherstellen lassen. So wird aus einem Laufwerksdefekt nicht automatisch ein Datenverlust.

    Zur Einordnung: Backblaze tauscht Laufwerke aus und nimmt neue hinzu. Modelle, Alter und Einsatzbedingungen verändern sich. Der Vergleich zeigt deshalb keine Alterung derselben Festplatten und liefert keine Lebensdauerprognose für Ihre einzelne HDD.

    Quelle: Backblaze, Jahresberichte 2024 und 2025. Eigene Darstellung der veröffentlichten Jahreswerte 2022 bis 2025.

    SSDs und andere Flash-Speicher haben Speicherzellen, die durch Programmier- und Löschvorgänge verschleißen. Bei SSDs gibt die TBW-Angabe die spezifizierte Gesamtschreibmenge in Terabyte an. Wie schnell sie erreicht wird, hängt von der tatsächlichen Nutzung ab. Sie ist eine Planungsgröße und kann auch die Herstellergarantie begrenzen. Sie garantiert weder einen ausfallfreien Betrieb bis zu diesem Wert noch einen sofortigen Ausfall danach. Kingston erklärt TBW und die tägliche Schreibbelastung DWPD.

    Bei einem plötzlichen Stromausfall können noch nicht dauerhaft gespeicherte Daten verloren gehen. Je nach Laufwerk und Schutzmechanismen können auch interne Verwaltungsdaten beschädigt werden, sodass die SSD anschließend nicht mehr ansprechbar ist. SSDs mit hardwaregestütztem Schutz vor Stromausfall (Power Loss Protection, PLP) nutzen Kondensatoren, um ausstehende Schreibvorgänge abzuschließen. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ergänzt diesen Schutz, ersetzt aber keine Sicherung. Kingston beschreibt die Funktionsweise und die Unterschiede der Schutzmechanismen.

    USB-Sticks und Speicherkarten sind ebenfalls Flash-Speicher. Zusätzlich zu technischen Defekten besteht bei den kleinen, mobilen Datenträgern das Risiko, sie zu verlieren oder zu beschädigen. Sie sollten nicht die einzige Kopie wichtiger Daten enthalten. Beim Transport vertraulicher Daten gehört Verschlüsselung dazu.

    Optische Medien und Bandlaufwerke können bei passenden Anforderungen ebenfalls zur Sicherung oder Archivierung gehören. Entscheidend sind Datenmenge, Aufbewahrungsdauer und verfügbare Lesegeräte. Unabhängig vom Medium sollten Kopien regelmäßig auf Lesbarkeit geprüft und bei Bedarf auf neue Datenträger übertragen werden.

    Die Regel, die sich bewährt hat

    Drei Kopien, auf zwei verschiedenen Arten von Medien, eine davon außer Haus. Und seit Verschlüsselungstrojaner zum Alltag gehören, eine vierte Anforderung: Mindestens eine Kopie darf von dem System, das gesichert wird, nicht überschrieben oder gelöscht werden können. Eine Sicherung, die ein Angreifer mit den Rechten des Servers löschen kann, ist keine.

    Das SicherungsprinzipEine Datei braucht mehr als einen sicheren Platz.

    So kann die 3-2-1-Regel in einem kleinen Betrieb aussehen.

    3Kopien insgesamt
    2Medienarten
    1Kopie außer Haus
    1. 01
      Die Arbeitsdaten

      Die Daten, mit denen Sie täglich arbeiten.

      SSD im Rechner oder ServerIm Betrieb
    2. 02
      Die Sicherung vor Ort

      Eine eigene Kopie für die Wiederherstellung.

      Separate Festplatte (HDD)Im Betrieb
    3. 03
      Die Sicherung außer Haus

      Eine weitere Kopie an einem anderen Standort.

      Zweite Festplatte (HDD)Anderer Standort

    Zusätzlich: Zugriff auf eine Sicherung begrenzen. Zum Beispiel die Kopie außer Haus nach dem Sichern trennen. Der gesicherte Rechner darf sie weder überschreiben noch löschen können.

    Bei TrueNAS beispielsweise lässt sich die Replikation als PULL statt PUSH einrichten: Der entfernte Backupserver holt die Daten selbst ab. Dadurch braucht der Quellserver keine Zugangsdaten zum Backupserver. Wird die Quelle kompromittiert, erschwert das den Zugriff auf die Sicherungen. Voraussetzung sind getrennte Zugänge, eingeschränkter Netzwerkzugriff und eine eigene Aufbewahrung der Snapshots auf dem Backupserver.

    PULL-Replikation in der TrueNAS-Dokumentation

    Drei Kopien heißt: die Arbeitsdaten plus zwei Sicherungen. In diesem Beispiel sind SSD und HDD die beiden Medienarten.

    Genauso wichtig wie die Sicherung ist ihre Versionierung. Ein Fehler, der heute passiert und in drei Wochen auffällt, ist nur dann zu beheben, wenn ein Stand von vor drei Wochen noch existiert. Wer nur den gestrigen Stand hat, hat den Fehler mitgesichert.

    Versionierung ausprobierenDer Fehler fällt erst später auf.

    Ein Beispiel mit täglicher Sicherung: Ab Tag 10 sind die Daten fehlerhaft. Erst an Tag 28 wird das bemerkt.

    Vor dem FehlerFehler mitgesichertNicht mehr vorhanden

    Der Stand vor dem Fehler ist noch da.Bei 28 aufbewahrten Tagesständen ist Tag 9 verfügbar: der letzte Sicherungsstand vor dem Fehler.

    Die passende Aufbewahrungsdauer hängt davon ab, wie spät Fehler auffallen können. Das Beispiel ist keine pauschale Empfehlung für 28 Tage.

    Eine Sicherung ist erst eine, wenn man sie zurückgespielt hat

    Ein erfolgreicher Sicherungslauf allein zeigt noch nicht, ob sich der Stand vollständig wiederherstellen lässt. Das prüft ein dokumentierter Wiederherstellungstest: Stand zurückspielen, prüfen, dass das System startet und die Daten stimmen, Dauer notieren. Einen solchen Test können Sie gesondert beauftragen oder als optionalen Bestandteil eines Servicevertrags vereinbaren. Prüfumfang und Termine werden ausdrücklich festgelegt. Das Protokoll dokumentiert den getesteten Stand und liefert gemessene Zeiten für die Notfallplanung.

    Wenn Sie nicht wissen, wann Ihre Sicherung zuletzt zurückgespielt wurde, ist das die erste Frage, die Sie sich beantworten sollten.

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